H. P. Lovecraft über Leben und Tod

Maya-Stele, Copán, Honduras

Tote Stadt der Maya, Copán, Honduras.
Foto: Whirling Phoenix (cc)

Howard Phillips Lovecraft (1890-1937), Misserfolgsautor, Adjektiv-Schleuder, Briefeschreiber, kein Multikulti-Freund, macht sich Gedanken über „Leben und Tod“. Das Zitat stammt aus seinem Notizbuch, Jahrgang 1919.

Tod – seine Trostlosigkeit und sein Grauen – düstere Räume – Meeresgrund – tote Städte. Das Leben jedoch – das größere Grauen! Ungeheure, unerhörte Reptilien und Leviathane – entsetzliche wilde Tiere des prähistorischen Dschungels – üppige schleimige Vegetation – böse Instinkte der Urmenschen. Das Leben ist entsetzlicher als der Tod.

„The horror, the horror!“ Der arme H. P. Wer so etwas schreibt, muss in Abgründe geschaut haben, gegen die sich die „gigantischen Schiffe, die brannten, draußen vor der Schulter des Orion“, von denen der von Rutger Hauer gespielte Chef-Replikant in „Blade Runner“ erzählt, bevor er den Löffel abgibt, wie Kindergeburtstag ausnehmen. [Weiterlesen...]

Die Macht des Wahns: Dennis Hoppers unsichtbare Armee

Militärparade in Rangun, Birma

Elias Canetti deutet in „Masse und Macht“ die Schwärme von Ungeziefer, die ein Alkoholkranker im Delirium tremens halluziniert, als „Modell für die Dynamik der Macht“: Ein Einzelner sieht sich einer Masse nichtswürdiger Geschöpfe gegenüber. Neben dem Typus des Überlebenden, dessen Machtgefühl mit den Leichenbergen um ihn herum wächst, ist auch der paranoide Herrscher, der aus Angst um sein Leben vorsorglich sein Reich entvölkert, eine weitere prägnante Figur aus der Galerie monströser Machthaber in Canettis Buch.

Mir scheint, als würden in manchen „Überlebenden“ der 60er-Jahre-Gegenkultur all diese Gestalten symbolisch zusammenkommen. Bei Dennis Hopper zum Beispiel. Die Filmaufnahmen zu „Easy Rider“ (1969), dessen Erfolg die Studiobosse des alten Hollywoods schwindelig machte und die kurze, aber für das US-Kino bedeutende Phase des New Hollywood einleitete, war für die Beteiligten ein Horrortrip. „Er hält sich für einen großen Künstler und seine Mitstreiter für Sklaven. Hopper säuft, brüllt und fuchtelt mit Waffen herum. Das Filmteam ist eingeschüchtert: Man weiß, dass er seine Frau schlägt.“ (Für den Fluter.de-Artikel über das Roadmovie, aus dem das Zitat stammt, hatte ich mich durch Peter Biskinds „Easy Riders, Raging Bulls“ gekämpft.) [Weiterlesen...]

Mit Kamera und Notizblock durchs Feuer

„Das Lied der Frontkorrespondenten“

Von Moskau bis Brest
Gibt es nicht einen Ort,
Wo wir nicht durch den Dreck gezogen sind.
Mit Kamera und Notizblock
Und manchmal mit einem MG
Haben wir Feuer und Kälte bezwungen.

Ohne einen Schluck, Kamerad,
Wird keine Liebe geboren.
Lasst uns die Gläser heben!
Trinken wir auf die, die schreiben,
Trinken wir auf die, die fotografieren.
Trinken wir auf die, die durchs Feuer gehen.

Konstantin Michailowitsch Simonow (1915-1979), Schriftsteller, Lyriker und Kriegsberichterstatter im Zweiten Weltkrieg, unter anderem für die „Prawda“. Embedded Journalism im sowjetischen Stil.

Nachrichtensperre für Obama. Und Blogger siegen im Irak

Am 20. Januar 2009 tritt Barack Obama seinen neuen Job an. Das wird nicht einfach, schon wegen all der Wahlversprechen, die er im Wahlkampf gegeben hat. Auf Jetzt.de leidet jemand in Gedanken mit und stellt sich vor, wie „Obamas schrecklicher erster Tag“ abläuft.

Man kann sich vorstellen, wie er sich durch seinen beeindruckenden Eichentisch wühlt und versucht, einen Stift zu finden, in dem auch Tinte ist, sowie einen Notizblock, damit er seine Gedanken über die Briefings des Tages zu Papier bringen kann.

Tasächlich wurde Obama in den vergangenen Monaten eher mit einem Blackberry gesehen, auf dem er pausenlos E-Mails empfing. Mit der elektronischen Kommunikation könnte es nach Amtsantritt erst mal vorbei sein, schreibt die „New York Times“ und erinnert an den „Presidential Records Act“, ein Gesetz, das regelt, dass die Korrespondenz eines US-Präsidenten zwölf Jahre nach der Amtszeit öffentlich zugänglich gemacht werden muss. [Weiterlesen...]

Andy Warhol zum Selbermachen

Web-2.0-Offensive der Hayward Gallery im Londoner Southbank Center. Mit voller Breitseite: Facebook, Twitter, Flickr, Blog und ein YouTube-Kanal, auf dem Videos als „Trailer“ zur laufenden Ausstellung „Andy Warhol. Other Voices, Other Rooms“ zu sehen sind. Im Flickr-Account herrscht allerdings noch Leere – man kann hoffen, dass nicht allein „Dabeisein ist alles“ als Losung hinter diesen Web-Aktivitäten steht, sondern am Ende etwas Substanzielles dabei herauskommt. [Weiterlesen...]