Roy Orbison – „Only The Lonely“
Was bin ich froh, dass ich nicht als Lohnschreiberling für das Vermischte oder Feuilleton arbeite. Denn dann müsste ich an dem Zirkus um Jahrestage, runde Geburtstage und Todestage teilnehmen, der den Mainstream-Kulturjournalismus daran hindert, auch mal Leute zum Zug kommen zu lassen, deren Denken anderen Rhythmen folgt.
Und so kann ich anstelle eines Artikels zum 10. Todestag von Roy Orbison dieses Musikvideo ins Netz stellen. Anscheinend handelt es sich um einen Mitschnitt eines Live-Konzerts des King of Schmalz in Los Angeles 1987. Ich zitiere:
Only the lonely (dum-dum-dum-dumdy-doo-wah)
Know the way I feel tonight (oh-yay-yay-yay-yeah)
Das geht tief rein.
Eine gute Gelegenheit, einen meiner Lieblingsschmachtfetzen zu präsentieren:
Jimmy Ruffin – „What Becomes Of The Brokenhearted“
Jimmy Ruffins Motown-Hit von 1966 spricht, glaube ich, die niedrigsten Bedürfnisse an. Auch in mir. Man achte nur auf den Songtext:
I walk in shadows searching for light
Cold and alone, no comfort in sight
Hoping and praying for someone who’ll care
Always moving and going nowhere
Und vergleiche ihn mit dem auftrumpfenden Gesang und der nicht minder auftrumpfenden Musik.
Hier verwandelt jemand seine Gefühle von Verlassenheit und Hoffnungslosigkeit in eine Art von Überlegenheit und Triumph: „Nothing’s gonna stop me now, I’ll find a way somehow.“ Einen Weg, die Niedergeschlagenheit niemals hinter sich lassen zu müssen? Am Ende des Songs wird noch ein „girl“ beschworen, das vermisst wird – ein Kodewort für ein menschliches Wesen, das sich in der Umarmung in Luft auflöst.
Jimmy, du Opfer!
Wenig muss man mehr fürchten als die Vorstellung von Gemeinschaft, die diejenigen aushecken, die sich ausweglos verlassen, beleidigt und erniedrigt fühlen.
Der Song wurde oft gecovert, unter anderem von Diana Ross & The Supremes und Boy George. Letzterer hat eine ziemlich deutliche Antwort auf die Frage gegeben, was denn aus jenen wird, die an einem gebrochenen Herzen leiden.
(Ein Hinweis, bevor empörte Reaktionen von Soul-Fans eintreffen: Ich mag den Song, wirklich. Und natürlich interpretiere ich ihn nicht als als rein persönliche Meinungsäußerung von Herrn Ruffin. Es sind die Strukturen, die auf die Straße gehen. Und in Betten steigen oder auf Bühnen.)




http://www.youtube.com/watch?v=7hl4P23jRU0
Ein großartiges Stück, lieber h k, Conway Twitty kannte ich noch nicht. Aber sag mal: Musstest du die ganze Zeit beidhändig den Rhythmus mitklopfen? Oder warum hast du sonst nichts im Kommentar geschrieben?