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Sonntag, 18. Januar 2009, Kategorie: Ausgedachtes, Medienkrieg, Politik.

Screenshot 1: angebliches Al-Qaida-Video

Das geht nun eindeutig zu weit: Al Qaida droht mit Mathe-Formeln!

Die Brutalität der Terroristen kennt keine Grenzen mehr: Jetzt droht al-Qaida mit Kurvendiskussion, dem Schrecken meiner Schulzeit. In der Videobotschaft  „Rettungspaket für Deutschland“, fordert „Abu Talha, der Deutsche“, nicht nur den Abzug der Bundeswehr aus Afghanistan, anhand von gefährlich aussehenden mathematischen Formeln erläutert er außerdem, wie er sich den Niedergang des Westens und den Aufstieg seiner Terrororganisation vorstellt. (SpOn, von dem der Titel der Botschaft stammen könnte, berichtet.)

Screenshot 2: angebliches Al-Qaida-Video

Oberstufe des Terrors

Mein Bedrohungsgefühl hat dadurch eine neue Dimension erhalten. Gelegentlich, wenn ich zur Rushhour in der Berliner U-Bahn unterwegs bin, kommt mir durchaus der Gedanke, dass ich mich in einem potenziellen Anschlagsziel befinde.

Und nun muss ich neben einem Bombenanschlag auch folgendes Terror-Szenario fürchten:

Der Wagen stoppt unerwartet, vermummte Männer in Pluderhosen verschaffen sich von außen gewaltsam Zugang – und verteilen Blätter. Einer von ihnen, er hat eine AK 47 geschultert, brüllt: „Ihr ungläubigen Hunde, wir schreiben jetzt eine Mathe-Prüfung!“ Schreie ertönen, links und rechts von mir kippen Fahrgäste ohnmächtig um, ein jugendlicher Pisa-Versager lässt seine Bierflasche fallen und stürzt durch den Tumult zum Ausgang – an den Ohren wird er von den Islamisten zu seinem Platz zurückgezerrt. Für Verwirrung sorgt zudem, dass die Geiselnehmer zwei Prenzlauer-Berg-Mütter in Taliban‑ähnlichem Naturgarn-Outfit zunächst für Kampfgenossen halten …

Nur eine Fantasie oder morgen schon grausame Wirklichkeit?

Wer sich die Videos aus Absurdistan selbst antun möchte, wird in diesem YouTube-Channel fündig.

Update, 19. Januar 2009: Mittlerweile wurde der Hobby-Mathematiker identifiziert: Bekkay Harrach ist ein aus Marokko stammender Deutscher und „gilt als verhältnismäßig gebildet, in der Al-Qaida-Szene hochrangig vernetzt – und als reale Gefahr“, wie der „Tagesspiegel“ unter der knackigen Überschrift „Jung, gebildet, Al Qaida“ schreibt.




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Zu diesem Beitrag gibt es 3 Kommentare

  1. Sarah
    Posted Montag, 19. Januar 2009 at 20:39 Uhr | Permalink

    Hallo Robert, tres amusant!

    Math Attacks! Terrorismus und höhere Intelligenz.

    Das neue al-Qaida Video muss zunächst einmal einer kritischen Prüfung unterworfen werden! Vielleicht ist es ja eine Weltneuheit!? Denn sofort drängt sich einem die Frage auf: Terrorismus und höhere Intelligenz plötzlich vereinbar? Und in diesem Video quasi wichtiger als irgendwelche Terrordrohungen plötzlich bewiesen? Wer kommt schon auf die Idee Terrorismus-Trends mit Kurven darzustellen und sich auch noch zuzutrauen Vorhersagen zu machen?

    Bislang dachte ich, diese Kaffeesatz-Leserei (s. dazu Zimmermann-Forderung, DIW, Link unten) bliebe allein Ökonomen überlassen. Schließlich waren wir bislang die wohl einzige Disziplin, die mit langer Studiumsausbildung, extremer Formalisierung, hochkomplexen Modellen und riesigen Datenmengen haargenaue Fehlaussagen hinkriegt! Und jetzt auch noch al-Qaida! Dies muss auch als Kriegserklärung an die ökonomische Zunft verstanden werden!

    Zum Modell: zunächst muss es auf die Annahmen, logische Konsistenz und Rechenfehler überprüft werden.

    Annahmen: Der Westen geht dar nieder und al-Quaida steigt auf.

    Zur Formel: Es ist unklar, wofür x steht so macht man das aber nicht, meine Herren, schlampen mit der Notation! Gerade fragt eine Freundin zudem über die Schulter: Würde mich mal interessieren, wie die auf die Konstanten kommen! Richtig! Auch dies bleibt hier im Dunkeln.
    Wir wollen nicht ungerecht sein, vielleicht wird dies im ersten Teil des Videos erklärt? Es scheint abgeschnitten. Aber wir sind auch noch nicht fertig! Weiter zur logischen Konsistenz: In den Ableitungen sind keine Rechenfehler zu entdecken, allerdings reflektieren sie den untersten Stand von Abitursausbildung.

    Wir wollen nicht furchtbar ungerecht sein: bei potentieller Terror-Camp Ausbildung hat man natürlich keine Zeit, auch noch ein Wirtschafts‑ oder Mathematik-Studium dranzuhängen (am Besten an einer amerikanischen Elite-Universität!), um nachher eine bessere Figur in Terror-Videos zu machen. Da kann man dem Deutschen Abu Talha nur zurufen: Muddjahedin, bleib bei Deinen Waffen!

    Erschreckend dann bei genauerem hinsehen: f(x) (die al-Qaida equation) wird für den Westen geradewegs einfach negativ gesetzt! Dieser gedankliche Sprung erfordert nun doch so Einiges ab: Soll dies bedeuten, dass der Westen eigentlich das Gleiche ist wie al-Qaida, nur eben negativ? Und umgekehrt al-Qaida dasselbe wie der Westen, nur irgendwie ‚gefühlt‘ positiv? Also quasi das Positive des Negativen und das Negative des Positiven? Diese verwirrende Ying-Yang-Frage müssen wir an dieser Stelle einem fernöstlichen Philosophen überlassen.

    Während für die al-Qaida Gleichung die erste Ableitung gebildet wird, wird für den Westen gleich mit der zweiten Ableitung herumhantiert. Eine Erklärung zu dieser logischen Inkonsequenz bleibt uns al-Qaida schuldig.

    Was lernen wir daraus? Mit Notations-Schlamperei, inkonsistenter Argumentation, fadenscheinigen Annahmen und fragwürdigen Extrapolationen liegt der Westen darnieder. Aber diese Techniken werden auch die al-Qaida schaffen! Die Mullahs müssen nur noch in den Finanzmarkt einsteigen!

    Und damit zurück ins Funkhaus.

  2. rp
    Posted Montag, 19. Januar 2009 at 21:14 Uhr | Permalink

    Danke für deine Ausführungen … Wüsste ich nicht, wer sich hinter dem Pseudonym Sarah verbirgt, müsste ich annehmen der gefürchtete Schlag mit der psychologischen Massenvernichtungswaffe Mathe hätte schon begonnen – hier, bei mir, in meinem Kommentarteil.

    Ach ja, die Extremisten sollten sich hüten, in den Finanzmarkt einzusteigen – aus Image-Gründen. Investmentbanker rangieren momentan in der Beliebtheit, denke ich, deutlich unter einem Verein wie der Hamas.

    Im Übrigen hast du dir für den längsten Kommentar, den ich jemals im bekannten Unversum gesehen habe, redlich ein Gratis-Feed-Abo von Texts for Robots verdient.

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