
Aus für die deutsche Vanity Fair. Der amerikanische Condé-Nast-Chef Jonathan Newhouse sagt im Interview, die Einstellung des Magazins sei als Auswirkung der internationalen Wirtschaftskrise zu verstehen, die die Print-Branche besonders hart treffe. „In diesem Markt sind die wirtschaftlichen Perspektiven nicht nur in Deutschland, sondern weltweit sehr schlecht. Die Krise ist vergleichbar mit der großen Depression in den 1930er-Jahren“ (Horizont.net). Und Marc Felix Serrao reicht auf FAZ.net den Schwarzen Peter weiter, das heißt zurück:
Diese Krise aber, das sollte man nicht vergessen, kommt aus Amerika, dem Land der unbegrenzten Schuldenmacherei, das zuerst die Finanz‑ und dann die Weltwirtschaft in den Abgrund gezogen hat. Und so ist es auch bei Condé Nast und der deutschen „Vanity Fair“, auf die der Verlag angesichts von Investitionen, die sich im dreistelligen Millionenbereich bewegen dürften, nie und nimmer verzichten würde, ginge nicht auch dort die Malaise von den amerikanischen Verhältnissen aus. Die mit den unseren, was die Presse, den Print-Journalismus und die Lese‑ und Debattenkultur, ja die gesamte Verfasstheit der Öffentlichkeit angeht, schwerlich zu vergleichen sind.
(„Veitstänze auf dem Eitelkeitsmarkt“, FAZ)
Da hat er recht, aber anders als gedacht – Teil der „Debattenkultur“ in Deutschland ist es doch auch, dem „Ami“ Schuld an allem Möglichen zu geben, insbesondere an der Krisenhaftigkeit des Kapitalismus schlechthin.
Andere Kommentatoren erklären dagegen das Scheitern des Hochglanzmagazins beim Leser eher damit, dass es der deutschen Ausgabe gerade nicht gelungen sei, „amerikanische Verhältnisse“ hierzulande umzusetzen. Eine Auswahl:
Das größte Problem der deutschen „Vanity Fair“ war aber, dass sie mit dem US-Vorbild nicht mehr gemein hatte als den Titel. In den USA schreiben die besten Magazinjournalisten des Landes für „Vanity Fair“. Das monatlich erscheinende Blatt widmet sich nicht nur den Reichen und den Schönen, sondern bringt auch immer wieder investigative Reportagen. Die deutsche „Vanity Fair“ hingegen erschien wöchentlich. Die Elite der hiesigen Magazinjournalisten hielt lieber „Stern“, „Spiegel“ und „Geo“ die Treue. Folglich landete das Blatt nicht einen Scoop, es sei denn, man hält es für eine Meisterleistung, ein Tierbaby aufs Cover zu nehmen, wie es „Vanity Fair“ mit dem Eisbären Knut tat.
(Kai-Hinrich Renner, Welt Online)
Irgendwo zwischen „Spiegel“ und „Gala“ wollte man die „Vanity Fair“-Baustelle errichten und die Stars der ach so glamourösen Berliner Republik zum Großthema machen: Wenn man Wolfgang Joop, Heidi Klum und den Wowereit ins rechte Licht rückt, sehen sie dann nicht aus wie Ralph Lauren, Tyra Banks und Obama?
(Christian Kortmann, Süddeutsche.de)
„Vanity Fair“ blieb bis zuletzt auf der Suche nach einem Profil auf dem Hochglanz-Boulevard, man hatte mit dem beschränkten Glamour-Faktor des deutschen VIP-Wesens zu kämpfen. „Vanity Fair“ wollte viel höher hinaus als „Bunte“ oder „Gala“ – doch so teure Reporter, Fotografen und Kolumnisten wie das US-Mutterblatt konnte man sich nicht leisten. Sparkurs und Personalabbau waren dem Blatt zuletzt stark anzusehen. Der Niedrigpreis von zwei Euro half nicht weiter.
(Hans-Hermann Kotte, Frankfurter Rundschau)
Das ist die Ausbeute eines ersten Rundgangs durch die Reaktionen. Morgen werden sicher mehr und ausführlichere zu lesen sein. Die ganz große Häme erwarte ich nicht, dafür zittern zu viele Leute in den Medien um ihren Job.




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