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Sonntag, 8. Februar 2009, Kategorie: Panoptikum.

Filmaufnahmen vom kranken Nietzsche? Seine Hand bewegt sich, er öffnet und schließt die Augen. Einen Moment lang wollte ich es glauben, dann – nach ein paar Klicks – war klar: Jemand hat die Fotografien aus der Serie „Der kranke Nietzsche“ von Hans Olde, die zwischen Juni und August 1899 in der Villa Silberblick in Weimar entstanden, mit Software bearbeitet und zu einem Video montiert. Die Einstellungen entsprechen den Bildern. Mehrere Versionen von den Fake-Aufnahmen treiben auf YouTube ihr Unwesen


Doch wie meinte der Philosoph selbst:

Der Intellekt, als ein Mittel zur Erhaltung des Individuums, entfaltet seine Hauptkräfte in der Verstellung; denn diese ist das Mittel, durch das die schwächeren, weniger robusten Individuen sich erhalten, als welchen einen Kampf um die Existenz mit Hörnern oder scharfem Raubtier-Gebiss zu führen versagt ist. Im Menschen kommt diese Verstellungskunst auf ihren Gipfel: hier ist die Täuschung, das Schmeicheln, Lügen und Trügen, das Hinter-dem-Rücken-Reden, das Repräsentieren, das im erborgten Glanze Leben, das Maskiertsein, die verhüllende Konvention, das Bühnenspiel vor anderen und vor sich selbst, kurz das fortwährende Herumflattern um die eine Flamme Eitelkeit so sehr die Regel und das Gesetz, dass fast nichts unbegreiflicher ist, als wie unter den Menschen ein ehrlicher und reiner Trieb zur Wahrheit aufkommen konnte. Sie sind tief eingetaucht in Illusionen und Traumbilder, ihr Auge gleitet nur auf der Oberfläche der Dinge herum und sieht „Formen“, ihre Empfindung führt nirgends in die Wahrheit, sondern begnügt sich, Reize zu empfangen und gleichsam ein tastendes Spiel auf dem Rücken der Dinge zu spielen.

Aus: “Über Wahrheit und Lüge im außermoralischen Sinne” (1873).

Auf YouTube sind es tatsächlich eher klägliche Pinscher, die in den Kommentaren vorgeben, wie Raubtiere zu brüllen. Gefährlich wollen sie wirken, ganz gefährlich.




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