
Foto: Rougerouge (cc)
Als ich vor ein paar Jahren einem Freund gelegentlich als Fotoassistent aushalf, war es eine meiner typischen Handbewegungen: das lässige Fächeln des frisch geschossenen Polaroids, damit es rasch trocknet. In Zukunft wird man das zeremonielle Abziehen der Folie vom Positiv bei Shootings immer weniger sehen – die namensgebende Polaroid Corporation hat die Produktion ihrer Sofortbildkameras und Filme eingestellt.
„Die Vorräte der deutschen Großhändler reichen noch ungefähr zwei bis sechs Monate“, schreibt Verena Krebs heute in der „SZ“. Und sie mutmaßt: „Nostalgiker werden … bald auf Ebay Fantasiepreise zahlen.“ Diese könnten aber auch die kostenlose Software Poladroid Image Maker herunterladen, um den Retro-Effekt künstlich zu erzielen.
Die Fotografie oben, die von einem Flickr-User mit dieser Freeware bearbeitet wurde, verkörpert die Polaroidhaftigkeit des Polaroids: grün‑ und gelbstichig, zerkratzt und von einem Fingerabdruck verunziert, alles aus der digitalen Retorte – auf dass die 70er-Jahre niemals enden …
Nachtrag, 21. Februar: Die weitgehend vergessene deutsche New-Wave-Band Front (die nichts mit den belgischen Industrial-Machos von Front 242 zu tun hat) hat 1981 bei Alfred Hilsbergs Label Zick Zack den Song „Polaroid“ zu Ehren der Sofortbildkamera herausgebracht.
Soweit ich den Songtext verstehe – „Stell dich in die Ecke … du darfst dich nicht bewegen …“ –, ist das, was uns oberflächlichen Zeitgenossen als muntere Knipserei erscheint, für die düsteren Waver aus Hamburg ein Setting für Entfremdung und Zwang, Unterwerfung und Härte. Doch wie sangen schon die Kollegen von der Punkband Abwärts: „Beim ersten Mal tut’s immer weh“ (YouTube) – das gilt auch und gerade für neue Medientechnologien.




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