Mexiko-Stadt: Ansteckende Bilder der Katastrophe

Mexiko-Stadt: Menschen mit Schutzmasken

Kennen Sie diesen Film? Menschen mit Schutzmasken in Mexiko-Stadt.
Foto:
Playadura (cc)

Bildbearbeitung und Ansteckung

Hilft Bildbearbeitung gegen Schweinegrippe? Ist der Photoshop-Filter eine Art Schutzmaske? Etwa gegen die Realität einer Bedrohung, die als unsichtbar gilt, weil sie nur unter dem Mikroskop sichtbar wird, kleiner noch ist als das Pixel eines digitalen Bildes? Ich verstehe kein Spanisch, deswegen kann ich die Diskussion zu diesem Foto nicht nachvollziehen. Ist es eine Übung oder der Ernstfall, verlassen diese Leute in Mexiko-Stadt die Gebäude, um sich zu Hause, in ihren Wohnungen, einzusperren? Die Fotografie scheint bearbeitet worden zu sein – sollte dies die Schutzmaßnahme des Fotografen sein (an seinem Computer zumindest ist er Herr der Lage), verrät sie die Ansteckung durch eine andere Form der Epidemie: das apokalyptische Gefühl.

Man muss die Bilder der Apokalypse nicht erfinden, sie sind abgelegt im kulturellen Archiv, sie wurden von Journalisten beschrieben und von Literaten, im Kino bilden sie eine ganze Gattung, zitierbar. In Kommentaren zu Artikeln, die die Ausbreitung der Grippe über Mexiko hinaus thematisieren, finden sich vielerlei Anspielungen auf Vorbilder in der Fiktion. Der Ausdruck „Captain Tripps“ macht die Runde – das ist der Kosename für die Pandemie, die in Stephen Kings Horror-Roman „The Stand. Das letzte Gefecht“ von 1978 die Erde weitgehend entvölkert. [Weiterlesen...]

Harald Hauswald und die Fotokritiker von der Stasi

„Je trostloser, desto begehrter“, urteilte ein Stasi-Beamter über die Bildauswahl des Fotografen Harald Hauswald für das Buch „Ostberlin“. „Da wurde zusammengetragen, was an Düsterem, Beklemmendem und ärmlichen Milieu, an Primitivem nur auffindbar oder verwertbar war.“ Tatsächlich: Kahle Fassaden, Polizeikontrollen, niedergeschlagen wirkende Fahrgäste in der U-Bahn vermitteln kein einladendes Bild von der Hauptstadt der DDR in den Jahren vor dem Mauerfall. Was das Fotobuch für die ostdeutsche Staatssicherheit allerdings so brisant machte, war, dass es Hauswald als DDR-Bürger 1987 bei westdeutschen Verlag Piper veröffentlicht hatte. Zehn Stasi-Mitarbeiter seien auf den Fotografen angesetzt gewesen, sagt dieser selbst. [Weiterlesen...]

Hunde, Katzen, Babys. Material der Selbstdarstellung

Hunde, Katzen, Babys: Die meisten „Models“, die für die Selbstdarstellung im Web 2.0 gecastet werden, haben beim Shooting kein Mitspracherecht, sie werden vorher nicht gefragt. Und sie hätten auch einen schweren Stand bei Verhandlungen – schließlich stehen sie in einem Abhängigkeitsverhältnis zum Mann oder zur Frau mit der Kamera. Diese Bildkultur hat feudalistische Züge: Hunde, Katzen, Babys sind wie Leibeigene, Material, um Gefühle auszudrücken, die nicht ihre eigenen sind. [Weiterlesen...]

Marcel Dzamas Kriegsvideo am MoMA

Niedliche Gräuelbilder

Die vermummten Gestalten sind keine Unbekannten, wenn man sich für die Arbeiten des 1974 in Kanada geborenen Künstlers Marcel Dzama interessiert. Bisher gingen sie bei ihm aber eher in Tusche und Wasserfarbe ihren tänzerischen Gewaltakten nach. In dem Musikvideo für den Song „No One Does It Like You“ aus dem Album „In Ear Park“ (Rezension) von Department of Eagles stellen sie sich einer Armee von Soldaten mit seltsam überdimensionierten Derwisch-Hüten zur offenen Feldschlacht.

Als Kriegsschauplatz hat Dzama, der außerdem die Kostüme designt hat, passenderweise eine Wüste gebaut, deswegen ist die Beinbekleidung der niedlichen Todesschwadronen wohl ein wenig kürzer als üblich ausgefallen. An abgerissenen Gliedmaßen und anderen Gräuelbildern, die man aus dem Werk des Künstlers kennt, mangelt es auch in diesem Gefecht nicht – Dzama hat bei Francisco de Goyas Bilderzyklus „Die Schrecken des Krieges“ ganz genau hingeschaut. Offenbar zudem in Sam Peckinpahs „The Wild Bunch“, aus dem man die Durchschüsse in Zeitlupe wiedererkennt. [Weiterlesen...]