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Mittwoch, 1. April 2009, Kategorie: Film, Kunst, Musik.

Niedliche Gräuelbilder

Die vermummten Gestalten sind keine Unbekannten, wenn man sich für die Arbeiten des kanadischen Künstlers Marcel Dzama interessiert. Bisher gingen sie bei ihm aber eher in Tusche und Wasserfarbe ihren tänzerischen Gewaltakten nach. In dem Video für den Song „No One Does It Like You“ aus dem Album „In Ear Park“ (Rezension) von Department of Eagles stellen sie sich einer Armee von Soldaten mit seltsam überdimensionierten Derwisch-Hüten zur offenen Feldschlacht.

Als Kriegsschauplatz hat Dzama, der außerdem die Kostüme designt hat, passenderweise eine Wüste gebaut, deswegen ist die Beinbekleidung der niedlichen Todesschwadronen wohl ein wenig kürzer als üblich ausgefallen. An abgerissenen Gliedmaßen und anderen Gräuelbildern, die man aus dem Werk des Künstlers kennt, mangelt es auch in diesem Gefecht nicht – Dzama hat bei Francisco de Goyas Bilderzyklus „Die Schrecken des Krieges“ ganz genau hingeschaut. Offenbar zudem in Sam Peckinpahs „The Wild Bunch“, aus dem man die Durchschüsse in Zeitlupe wiedererkennt.

Dieser Western von 1969 markiert zusammen mit Arthur Penns „Bonnie und Clyde“, der zwei Jahre zuvor entstand, nicht nur die Öffnung der amerikanischen Filmwirtschaft für die Experimente des New Hollywood, er hat auch die Ästhetisierung von Gewaltdarstellungen, die heute Mainstream-Filme wie selbstverständlich auf die Leinwand bringen, mit in die Wege geleitet.

Schon der Anfang von Peckinpahs Film dürfte Dzama gefallen haben: Bevor das Gemetzel beginnt, sieht man, wie Kinder Skorpione in einer Art Arena gegen Übermacht von Ameisen kämpfen lassen. Später, sie sind dieses Vergnügens wohl überdrüssig, verbrennen die kleinen Teufel ihre „Spielkameraden“ unter einem Häufchen Gras. Von wegen unschuldig.

Wehrdienstverweigerung am MoMA

Der Clip, den Marcel Dzama gemeinsam mit dem Musikvideo-Regisseur Patrick Daughters realisiert hat, wurde am 24. März in einer Premiere am MoMA erstmals dem Publikum präsentiert – im Rahmen der Reihe „PopRally“, die der Kooperation von Künstlern von Musikern gewidmet ist. Mit dem New Yorker Museum verbindet das Musikprojekt auch noch etwas anderes: Grizzly-Bear-Gitarrist Daniel Rossen hat nämlich seine Zweitband Department of Eagles nach der Installation „Musée de l’Art Moderne, Départment des Aigles“ (1968) des Belgiers Marcel Broodthaers benannt. Dzama wiederum bringt als Cover-Artist für Alben von Beck und The Might Be Giants seine Credentials für den Cross-over aus Kunst und Popmusik mit.

Eine Frage bleibt: Hat das Kriegsvideo zu Rossens 60er-Sound irgendeine friedensfördernde Message, die mir beim ersten Ansehen entgangen sein sollte? Vielleicht die, dass man für die Entzifferung der ganzen Popkultur‑ und Kunst-Referenzen, die in dem Projekt angelegt sind, sich so viel Hintergrundwissen zulegen muss, dass man keine Zeit mehr findet, um draußen mit den anderen Jungs Krieg zu spielen. Auch eine Form von Wehrdienstverweigerung.

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Zu diesem Beitrag gibt es 2 Kommentare

  1. Posted Donnerstag, 2. April 2009 at 8:49 Uhr | Permalink

    Sehr schöner Beitrag.
    Zu dem Video fällt mir ein kleines Anekdötchen aus der Arbeitswelt ein‑
    der Kommentar meiner Arbeitskollegin zu einer gestrigen Reservierung:
    „Kuck mal, die heißen Geist-ob die überhaupt erscheinen?“
    Herzlichst, M.

  2. rp
    Posted Freitag, 3. April 2009 at 15:17 Uhr | Permalink

    Lob, das hört man gern. Dem Text hätte ich auch eine Widmung an dich vorausschicken können, da sich sonst anscheinend niemand für Dzama interessiert, vor allem nicht Leute, die sich auf das Blog verirren.

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