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Montag, 27. Juli 2009, Kategorie: Musik, Politik.

Erinnert sich noch jemand an Byron F. Garcia, den gewitzten philippinischen Gefängnisdirektor, der im Sommer 2007 mit einer „Thriller“-Choreografie seiner Häftlinge auf YouTube alle Rekorde brach? Ich denke schon, da sein neuester Streich seit der gestrigen Veröffentlichung über 200.000 Mal gesehen wurde.

Die Insassen des Hochsicherheitsgefängnisses CPDRC in der Provinz Cebu durften diesmal die Tanzbewegungen zu Michael Jacksons „Dangerous“ einstudieren. Die sind, mithilfe professioneller Tanzlehrer, um einiges besser geworden. Der Überraschungseffekt des ersten viralen Videos ist aber indessen verloren gegangen.

Ironischerweise kam Garcia, der Mann der Exekutive, nach seinem Erfolg in die Schusslinie der Musikindustrie: Schluss mit dem Fun, wie anderen Nutzern des Portals wurde vielen seiner Amateurvideos mit Popsongs wegen Urheberrechtsverletzung der Ton abgestellt. Deswegen bettelt er diesmal im Vorspann: „No copyright claims please“, 95 Prozent des Videos sei Eigenleistung.

Die Erkenntnis bleibt seit dem Sommer vor zwei Jahren, dass Popkultur nicht nur dem auf sich selbst gestellten Einzelnen bei der Selbstmobilmachung wertvolle Dienste leistet. Sie kann, wie in diesem „Prison Entertainment Complex“ in den Philippinen, auch für das gute alte Regime der Disziplinierung herhalten.

Und ein erster Rundgang mittels Google-Blogsuche zeigt: An der weitgehend unkritischen Bejahung von Garcias Späßen durch den Blogger von nebenan, der froh ist über jedes Gag-Video, das er ins Netz ballern kann, hat sich seitdem ebenfalls nichts geändert.

Bis er durch irgendeine staatliche Institution selbst zum Tanzen aufgefordert wird …

Nachtrag, 20. August 2009:

(1) Hilja Müller, freie Korrespondentin in Manila, hat den „Machtmenschen und Egozentriker“ Byron F. Garcia in seinem Gefängnis besucht. In ihrer Reportage „Jailhouse Rock“ (pdf) für die „Financial Times Deutschland“ (15 Februar 2008) erwähnt sie den Garcia-Familienclan, der viele hochrangige Politiker in Cebu gestellt hat. „Sicherheitsberater“ Garcia verdankt dem familiären Hintergrund wohl seinen Job:

Seine Schwester Gwendolyn – Gouverneurin von Cebu – machte ihn im Juli 2004 zum Herrn über das Cebu Provincial Detention and Rehabilitation Center (CPDRC). Seither tanzen die Puppen dort nach seinem Kommando.

(2) Auf YouTube findet sich der Bericht „Behind the ‚Thriller‘ Video“ von Al Jazeera English, dem englischsprachigen Kanal des arabischen TV-Senders. Der hat im Juli 2007 seine Asien-Korrespondentin Marga Ortigas, ehemals CNN, für eine Kurzreportage ins Detention Center geschickt. Ihr erzählte Garcia, wie gut sich Musik und Tanz im Pop-Gefängnis für die Disziplinierung von Unruhestiftern eigneten.




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Zu diesem Beitrag gibt es 2 Kommentare

  1. ariel
    Posted Mittwoch, 12. August 2009 at 9:04 Uhr | Permalink

    Ganz, ganz großartig! Danke!

  2. rp
    Posted Mittwoch, 12. August 2009 at 11:07 Uhr | Permalink

    Ariel, als Fan könntest du dir auch ein schmuckes Gang-Tattoo wie Garcias „Schützlinge“ zulegen. Als Eintrittskarte ins Pop-Prison dürfte schätzungsweise ein bisschen Drogenkriminalität reichen, die örtliche Polizei hilft sicher gern weiter.

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