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Sonntag, 10. Januar 2010, Kategorie: Betroffenheitslyrik.

Selbstporträt: mein Schneegesicht

Dies ist der Abdruck meines Gesichts im Schnee. Ja, das Bild wirkt makaber, wie eine Totenmaske. Was soll der alberne Scherz? Nun, mit diesem Foto gibt es insgesamt drei von mir im Internet, von denen ich weiß, dass sie existieren.

Auf dem ersten sieht man, aus einiger Entfernung, meinen Hinterkopf im Publikum eines Vortrags; veröffentlicht ist es auf der Website des Veranstalters. Auf dem zweiten, es befindet sich auf einer MySpace-Seite, bin ich im Alter von Anfang 20 zu sehen, ich sitze am Rand einer Bühne, auf der eine Band probt, die ich damals auf Tour begleitete (wer mich heute kennenlernt, würde, sollte er rein zufällig darauf stoßen, mich darin wahrscheinlich nicht wiedererkennen). Und das dritte ist jetzt dieses Selbstporträt.

Nur das Blitzlicht und ein wenig Manipulation mit Photoshop machen mein Gesicht überhaupt sichtbar, morgen schon wird der Rest von Neuschnee verdeckt und ausgelöscht sein. So lässt sich der Eindruck der Totenmaske noch ins Positive wenden: Eine solche Maske, die zwar wie jede Abbildung eines Menschen scheinbar die Anwesenheit einer Person festhält, aber letztlich nur noch ihre Abwesenheit bezeichnen kann, gibt meinem Wunsch Ausdruck, zumindest visuell nur als nicht greifbares Schemen im Netz zu erscheinen.

Weniger pathetisch formuliert: Es würde mich beunruhigen, sowohl ein Impressum mit Name und Adresse für dieses Blog vorweisen zu müssen, wie es nach deutschem Recht Pflicht ist, als auch zugleich noch deutlich erkennbar auf einer Fotografie online präsent zu sein. Das hieße, die Nachteile von medialer Bekanntheit auf mich zu nehmen, ohne in den Genuss ihrer Vorzüge zu kommen (einer der Fälle, bei denen sich die „Freiheit“ des Blog-Schreibens ins Gegenteil verkehrt). Denn weiß ich etwa, welchem Spinner ich in Zukunft noch auf die Füße treten werde?




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