Ein leidenschaftlicher Vortrag von Jacques Lacan (1901–1981). Die Gestik beeindruckt, die Redepausen sind dramatisch, ja groß genug, dass sich darin die Subjektivität des in Seminarräumen geisteswissenschaftlicher Fakultäten übel beleumundeten bürgerlichen Individuums westlicher Herkunft in Konfetti verwandeln könnte. Hurra, jetzt bist du erledigt, du Schuft!
Gedruckt auf Papier ist das Werk des Psychoanalytikers schwer zugänglich, es liegt zum Teil nur in Form von Mitschriften ebensolcher Seminare vor. Der Autor dieses Blogs erinnert sich an Lacan-Lektürekurse im Rahmen seines Kulturwissenschaft-Studiums, an abendliche Treffen im kleinen Kreis, wo Texte des Franzosen mit großer Ausdauer dreisprachig gelesen wurden, neben dem Original in deutscher und englischer Übersetzung: Macht endlich mal Sinn! „Souverän“ hätte Lacan-Freund Georges Bataille diese ökonomisch nutzlose Verausgabung von Lebenszeit genannt.
Der Autor dieses Blogs fragt sich, was aus den Leuten, die mit ihm an der Universität diese Geheimwissenschaft betrieben, hinterher wurde. Einige von ihnen haben wohl den Tod des Subjekts in der Kommunikation praxisnah im Callcenter-Job erfahren. Andere widmeten sich vielleicht dem bezahlten Schreiben. Was sie von Strukturalismus und Poststrukturalismus in den Berufsalltag mitnahmen, liest man gelegentlich im Feuilleton: dass es da so Zeichen gibt, die irgendwie aufeinanderverweisen, was irgendwie subversiv rüberkommt. (Oder stammen diese Theorie-Floskeln von Leuten, die von den gern zitierten Klassikern gerade mal den Klappentext studiert haben?)
Um was geht’s noch mal im obigen Video-Schnipsel? Ach ja, um den Tod. Der Glauben daran mache das Leben aushaltbar, meint Lacan. Eine bittere Wahrheit. Doch einer musste sie sagen. Und nun weiter im Text …
Via Fette.
Ein Beitrag von Texts for Robots, Fachblog für letzte Dinge, in der Serie „Große Männer sagen Großes“. Die vorige Ausgabe liegt lange zurück: Horror-Autor H. P. Lovecraft war darin zititiert, und zwar zu „Leben und Tod“. Zuvor meldete sich Slavoj Zizek über „Liebe und Leben“ zu Wort – der slowenische Extrem-Panelist macht vor, wie man auch aus der Lacan-Interpretation Vitalität ziehen kann.




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