Lorem ipsum dolor sit amet (Hajos Apple-Bashing)

Eines muss man Spiegel Online (SpOn) zugestehen: Die Redaktion weiß, wie man den Traffic auch an einem Sommerwochenende zum Brummen bringt. Indem man mal schnell Hajo Schumacher, angeblich „Ex-Fan“ der Marke, einen Apple-Bashing-Text schreiben lässt, der auf kein Reizwort oder Vorurteil der Gegner des Konzerns und seiner Kunden verzichtet: Snobismus, Möchtegern-Hipstertum, Sektierertum, Drogensucht. Und schon tippen sich die Leser brav in Rage oder klicken den Rant ihren Facebook-Freunden in die Timeline, bis der Like-Button knirscht (mehr als 10.000 Empfehlungen bis Sonntagabend). In einem der fast 1000 (!) Beiträge im SpOn-Forum zu Schumachers „Abrechnung“  fand ich eine treffende Einschätzung: Der Kommentar lese sich wie der kalkulierte Versuch, einen Flame-War zu starten. Hier ist er – um den Füllstoff gekürzt – wiedergegeben:

„Lorem ipsum dolor sit amet, consetetur sadipscing elitr, sed diam nonumy eirmod tempor invidunt ut labore et dolore magna aliquyam erat, sed diam voluptua. Wer ein Apple-Produkt erworben hat, fühlt sich einem feinen Club zugehörig – und will das offenbar allen mitteilen. At vero eos et accusam et justo duo dolores et ea rebum. Stet clita kasd gubergren, no sea takimata sanctus est Lorem ipsum dolor sit amet.

Duis autem vel eum iriure dolor in hendrerit in vulputate velit esse molestie consequat, vel illum dolore eu feugiat nulla facilisis at vero eros et accumsan et iusto odio dignissim qui blandit praesent luptatum zzril delenit augue duis dolore te feugait nulla facilisi. Das iPad ist der Manta des 21. Jahrhunderts, bald vielleicht mit Fuchsschwanz-App. Duis autem vel eum iriure dolor in hendrerit in vulputate velit esse molestie consequat, vel illum dolore eu feugiat nulla facilisis at vero eros et accumsan et iusto odio dignissim qui blandit praesent luptatum zzril delenit augue duis dolore te feugait nulla facilisi.

Nam liber tempor cum soluta nobis eleifend option congue nihil imperdiet doming id quod mazim placerat facer possim assum. Apple ist wie Sushi – einst exklusiv, heute Arschgeweih. Lorem ipsum dolor sit amet, consectetuer adipiscing elit, sed diam nonummy nibh euismod tincidunt ut laoreet dolore magna aliquam erat volutpat. Ut wisi enim ad minim veniam, quis nostrud exerci tation ullamcorper suscipit lobortis nisl ut aliquip ex ea commodo consequat.

Wie heute die Fans des FC St. Pauli wärmten sich Mac-User am Wir-Gefühl. Duis autem vel eum iriure dolor in hendrerit in vulputate velit esse molestie consequat, vel illum dolore eu feugiat nulla facilisis. At vero eos et accusam et justo duo dolores et ea rebum. Stet clita kasd gubergren, no sea takimata sanctus est Lorem ipsum dolor sit amet. Lorem ipsum dolor sit amet, consetetur.

Stet clita kasd gubergren, no sea takimata sanctus est Lorem ipsum dolor sit amet. Lorem ipsum dolor sit amet, consetetur sadipscing elitr, sed diam nonumy eirmod tempor invidunt ut labore et dolore magna aliquyam erat, sed diam voluptua. Was früher Ron L. Hubbard und Scientology waren, sind heute Apple und seine Kunden. At vero eos et accusam et justo duo dolores et ea rebum. Stet clita kasd gubergren, no sea takimata sanctus est Lorem ipsum dolor sit amet.

Lorem ipsum dolor sit amet, consetetur sadipscing elitr, sed diam nonumy eirmod tempor invidunt ut labore et dolore magna aliquyam erat, sed diam voluptua. At vero eos et accusam et justo duo dolores et ea rebum. Stet clita kasd gubergren, no sea takimata sanctus est. Apple ist eine Droge, und alle sind druff. Lorem ipsum dolor sit amet.“

Die gefetteten Stellen in diesem effektiven Stück Flame-War-Journalismus wirken wie für die Twitter-Nutzung optimiert. Der Aggregator Rivva zählt denn auch mehr als 1000 Tweets, die Hajo Schumachers „Apple, es reicht!“ verlinken.

 

Eine Anmerkung: Der Blindtext ist eine Abwandlung meines Lieblings-Photoshop-Desasters. So etwas passiert, wenn es schnell gehen muss – in allen Branchen Ursache mehr oder weniger unterhaltsamer Katastrophen.

Das Geschlecht von Blog (und die Rache des Internets)

Wenn ich beruflich die Texte anderer verarzte, sorge ich dafür, dass diese in der Internet-Gemeinde nicht zu Verärgerung führen können. Ach ja, „Internet-Gemeinde“ gehört zu den Ausdrücken, die ich den Autoren oder Redakteuren auszureden versuche. Keine Diskussionen gibt es bei dem Genus des Substantivs „Blog“: Das ist ein Neutrum, man sagt oder schreibt „das Blog“, so habe ich es online gelernt – obwohl der Duden bei Blog neben dem dominanten sächlichen Geschlecht auch das männliche erlaubt.

Verstöße gegen die im Netz geltenden Sprachregelungen unterlaufen nicht nur den Print-Medien. Vor einigen Monaten durfte ich einem Online-Projekt zur Seite stehen, in dem ebenfalls auf einmal von „der Blog“ die Rede war. Von Panik erfasst, musste ich meine Mitstreiter über die möglichen Folgen ihrer Ignoranz aufklären: Denial-of-Service-Attacken, anrüchige Bearbeitungen ihrer Porträtfotos in Imageboards wie 4Chan, Shitstorms bis hin zur Verbreitung des Gerüchts, sie hätten Kätzchen grob behandelt (ein Todesurteil in Sachen Netz-Reputation) – die Rache des Internets kann fürchterlich sein, mahnte ich. Vermutlich wachen sie heute noch aus Albträumen auf, in denen ihnen ein Oberlehrer mit Guy-Fawkes-Maske den Hintern mit einem Duden versohlt.

Nun bin ich im Zweifel, ob meine Warnung nicht übertrieben war. Gestern musste ich im Sprachlog von Anatol Stefanowitsch lesen, das männliche Geschlecht von Blog habe sich im Gebrauch durchgesetzt, und das nicht nicht nur gedruckt auf Papier, sondern auch in WordPress-Foren: „Der Blog ist die dominante Form, nur eine Minderheit der deutschen Sprachgemeinschaft bevorzugt das Blog“, schreibt der Sprachwissenschaftler („Das Blog ist tot, es lebe der Blog“). Ist der Fall damit entschieden? Ich denke nicht. Widerstand wird laut, erste Trotzreaktionen auf diesen Artikel stehen schon im Netz. Es mögen nur wenige sein … aber vergessen und vergeben werden sie niemals.

SoundCloud via RSS-Feed abonnieren

RSS-Icon, schwarz-weiß

Um im Netz neue Musik zu entdecken, nutze ich neben dem Aggregator Hype Machine, über den ich eine Reihe von Blogs abonniert habe, auch SoundCloud. Den DJs, Bands und Labels, die mich interessieren, dort zu folgen war bisher ein wenig mühsam. Regelmäßig musste ich ihre Profile aufrufen, um zu sehen, ob es Neues gibt. Einen Account wollte ich nicht anlegen – schließlich produziere ich nichts, was ich auf die Plattform hochladen könnte. Und SoundCloud bietet keine eigenen RSS-Abos für Profile an.

Eine Alternative verspricht Cloud Flipper, ein externes Tool, mit dem man ein beliebiges SoundCloud-Profil oder die Tracks einer Gruppe in einen RSS-XML-Feed konvertieren kann. Die Url, die Cloud Flipper erzeugt, kopiert man einfach in den Reader, und schon lassen sich Feeds direkt dort abonnieren. Ich habe den Dienst in der vergangenen Woche im Google Reader getestet, leider mit nicht immer überzeugendem Ergebnis – die Updates ließen manchmal mehrere Stunden auf sich warten. Bei Tracks mit niedrig angesetztem Download-Limit hat man so einen Nachteil.

Via Kraftfuttermischwerk.

Nachtrag, 22. August: Mittlerweile hat sich die Verzögerung auf durchschnittlich ein bis zwei Stunden eingependelt. Das ist okay. Bis SoundCloud selbst RSS-Feeds einführt, werde ich Cloud Clipper weiterhin nutzen – und empfehlen.

Unbezahlt arbeiten? Harlan Ellison is not amused

Nach diesem lustigen Wutausbruch von Harlan Ellison wird es sich jede weitere Firma überlegen, ob sie den Drehbuchautor und Science-Fiction-Schriftsteller um unbezahlte Arbeit bittet. Sein Rant ist auch kathartisch für alle Freiberufler, die sich regelmäßig anhören müssen, dass ihr Name mit einem Produkt in Verbindung gebracht werde, sei doch klasse PR und viel mehr wert als Geld auf dem Konto.

Gefunden bei The New Inquiry, einem lesenswerten amerikanischen Web-Magazin, das ich als Neuzugang im RSS-Reader begrüße.

Mehr als nur Ruinen: Detroit-Techno in einer Musik-Dokumentation von Resident Advisor

Detroit, seit Jahrzehnten im ökonomischen Niedergang, hat sich zur Resterampe für Freunde von Grusel-Bildern urbanen Verfalls entwickelt. Angesichts der Schwemme sensationalistischer Berichte in den Medien und Klickstrecken im Internet ist in den USA die Rede von „ruin porn“, Ruinenpornografie. Jedes Lebenszeichen aus der Stadt ist daher zu begrüßen. Dazu rechne ich die kurze Techno-Dokumentation „Real Scenes: Detroit“, die Resident Advisor, ein Web-Magazin für elektronische Musik, vor zwei Tagen ins Netz gestellt hat.

Das Video bietet viele Talking Heads, etwa vom Label Underground Resistance, aber kaum Archivaufnahmen von DJ-Legenden und schwitzenden Tänzern in den illegalen Partys der 90er-Jahre. Nachtleben-Nostalgiker wird das enttäuschen. Dafür kann man dabei zusehen, wie Techno-Produzent Mike Huckaby (Interview) in dem Projekt YouthVille Jugendlichen Beat-Making und die dazugehörigen Software-Kenntnisse beibringt. Musik als Kreativwirtschaft: Was anderswo als Schlagwort für Stadt-Marketing dient, kann in einer postindustriellen Brache wie in der ehemaligen „Motor City“ Detroit Hoffnung wecken.

Via Music is my Sanctuary.

Mehr zu Schaulust und Postapokalypse: Für die März-Ausgabe des Kunstmagazins „Monopol“ habe ich den Fotoband „The Ruins of Detroit“ von Yves Marchand und Romain Meffre rezensiert.