Sprachkritik
Das Geschlecht von Blog (und die Rache des Internets)
Wenn ich beruflich die Texte anderer verarzte, sorge ich dafür, dass diese in der Internet-Gemeinde nicht zu Verärgerung führen können. Ach ja, „Internet-Gemeinde“ gehört zu den Ausdrücken, die ich den Autoren oder Redakteuren auszureden versuche. Keine Diskussionen gibt es bei dem Genus des Substantivs „Blog“: Das ist ein Neutrum, man sagt oder schreibt „das Blog“, so habe ich es online gelernt – obwohl der Duden bei Blog neben dem dominanten sächlichen Geschlecht auch das männliche erlaubt.
„Wutbürger“: Eine Prämie für Polemik
Anatol Stefanowitsch meint, die Gesellschaft für deutsche Sprache habe bei der Verwendung des Wortes „Wutbürger“ durch „zahlreiche Zeitungen und Fernsehsender“ etwas missverstanden. Polemik gegen den Protest stehe hinter dem „Wort des Jahres 2010“, ein Versuch, die „Protestierenden pauschal abzuurteilen“.
Abu Dhabi und 1001 schlechte Reise-Texte
„Wie ein Märchen aus 1001 Nacht“: Diese abgestandene Floskel liest man in mehr als tausendundeinem Artikel von Reisejournalisten, die aus der arabischen Welt berichten (wer’s nicht glaubt, muss nur mal googlen). Und das auch, wenn die Tour in eine der Hightech-Metropolen der … »»
Nervenkrieg in den Nachrichten
Einen Tag lang herrschte "Nervenkrieg in Viernheim", doch eben meldeten die Schlagzeilen, der "Ausnahmezustand" sei zu Ende. "Nervenkrieg" ist der Dauerbrenner unter den Metaphern im Nachrichtengeschäft. Zuvor waren die Nerven beim "Amoklauf in Schwalmtal" im Kriegszustand, und der vor der Küste Somalias … »»
Neologismen und sprachliche Neonreklame
Ich bin kein Freund von Neologismen, auf Deutsch: Wortneuschöpfungen, in journalistischen Texten. Wenn ich in der Redaktion an Artikeln anderer sitze, dann versuche ich oft, die Autoren zur Änderung zu bewegen. Ich weiß sehr wohl, dass Neubildungen eine Antwort auf das Problem … »»
Magazin-Test: Blank in fünf Minuten
„Gesellschaft, Diskurs, Disko“: Ein neues Print-Magazin im Schnelldurchlauf Frisch eingetroffene Magazine landen in der Redaktion meines Hauptauftraggebers auf der Theke der freundlichen Mrs. Head of Welcome. Als gestresster Freelancer komme ich natürlich kaum dazu, dem ganzen Input an nüchternen bis hochglänzenden Print-Produkten … »»
Not leidende Redaktionen
Das „Unwort des Jahres 2008“ ist gewählt, es lautet „notleidende Banken“, wie man in tausend und einer Meldung lesen kann. Was wahrscheinlich die wenigsten wissen: Dieser Ausdruck stellt die Redaktionen deutscher Zeitungen, die sich trotz Sparprogramm noch eine verbindliche Hausschreibweise oder gar … »»
Tausche Schadenfreude gegen Laptop
„Ich sitze an meinem Klapprechner und folge Verweisen durch das Weltnetz.“ Wie bitte, was sagt der da? Nun, ich versuche, dem Englischen entlehnte Wörter zu vermeiden, und verwende stattdessen deutsche – im Dienste des Reinheitsgebots. Für alle, denen es beim Sprachgebrauch am nötigen … »»
