Rainald Goetz über „radikalen Feuilletonismus“

Nicht lockerlassen: Im Umblätterer, dem Fachblog für Rainald-Goetz-Studien¹, wurde an ein „Betriebsjubiläum“ erinnert: „Vor 30 Jahren begann die Feuilletonmanie“ des Schriftstellers. Goetz selbst nahm die Gelegenheit wahr, in einem Kommentar zu diesem Artikel zu beschreiben, worin für ihn die Schönheit des „radikalen Feuilletonismus“ liege und warum die heutige „FAZ“ dagegen eher „Kitsch“ biete².

Fußnoten:

1. Ich habe diesen Lesetipp bewusst knapp gehalten. 2008 wurde ich schon mal vom Umblätterer getadelt – wegen einer schlaumeieristischen Bemerkung zu einem Beitrag über das Scharmützel zwischen Rainald Goetz und Joachim Lottmann, das damals die Literatur‑ und Medien-Szene erschütterte.

2. Bereits Goetz‘ Seitenhieb gegen „Lockerheit“ lässt mir diesen Kommentar als echt erscheinen. Sein Diktum im Ex‑„Vanity Fair“-Blog „Klage“, dies sei eine „Trottelkategorie“, ist im Übrigen bisher unwiderlegt.

 

Maya‑Älteste: Weltuntergang 2012? Nicht mit uns!

Dem Ende ein Ende: Meine letzte Beschwerde über den Apokalypse-2012-Wahn ist schon länger her. Nun amüsiert es mich, in der „Basler Zeitung“ zu lesen, Abgesandte der heutigen Maya hätten im August bei einer Esoterik-Konferenz in Zürich „Entwarnung“ gegeben. Weltuntergangs-Prophezeiungen, die auf dem Kalender ihrer Ahnen beruhen, erteilten sie eine Absage.

Der Autor des Artikels bemängelt allerdings den fehlenden „Informationsgehalt“ in den Vorträgen der Maya‑Ältesten aus El Salvador und Guatemala: „In jedem zweiten Satz war unspezifisch von Liebe, Harmonie, spiritueller Energie und Kosmos die Rede“, kritisiert er. Tatsächlich ein unerhörter Affront gegen das versammelte Publikum – gerade in kosmisch beschwingten Kreisen sind doch ein präziser Gebrauch der Sprache und kristallklare Argumentation üblich, oder?

Foto: Lamazone (cc)

Lorem ipsum dolor sit amet (Hajos Apple-Bashing)

Eines muss man Spiegel Online (SpOn) zugestehen: Die Redaktion weiß, wie man den Traffic auch an einem Sommerwochenende zum Brummen bringt. Indem man mal schnell Hajo Schumacher, angeblich „Ex-Fan“ der Marke, einen Apple-Bashing-Text schreiben lässt, der auf kein Reizwort oder Vorurteil der Gegner des Konzerns und seiner Kunden verzichtet: Snobismus, Möchtegern-Hipstertum, Sektierertum, Drogensucht. Und schon tippen sich die Leser brav in Rage oder klicken den Rant ihren Facebook-Freunden in die Timeline, bis der Like-Button knirscht (mehr als 10.000 Empfehlungen bis Sonntagabend). In einem der fast 1000 (!) Beiträge im SpOn-Forum zu Schumachers „Abrechnung“  fand ich eine treffende Einschätzung: Der Kommentar lese sich wie der kalkulierte Versuch, einen Flame-War zu starten. Hier ist er – um den Füllstoff gekürzt – wiedergegeben:

„Lorem ipsum dolor sit amet, consetetur sadipscing elitr, sed diam nonumy eirmod tempor invidunt ut labore et dolore magna aliquyam erat, sed diam voluptua. Wer ein Apple-Produkt erworben hat, fühlt sich einem feinen Club zugehörig – und will das offenbar allen mitteilen. At vero eos et accusam et justo duo dolores et ea rebum. Stet clita kasd gubergren, no sea takimata sanctus est Lorem ipsum dolor sit amet.

Duis autem vel eum iriure dolor in hendrerit in vulputate velit esse molestie consequat, vel illum dolore eu feugiat nulla facilisis at vero eros et accumsan et iusto odio dignissim qui blandit praesent luptatum zzril delenit augue duis dolore te feugait nulla facilisi. Das iPad ist der Manta des 21. Jahrhunderts, bald vielleicht mit Fuchsschwanz-App. Duis autem vel eum iriure dolor in hendrerit in vulputate velit esse molestie consequat, vel illum dolore eu feugiat nulla facilisis at vero eros et accumsan et iusto odio dignissim qui blandit praesent luptatum zzril delenit augue duis dolore te feugait nulla facilisi.

Nam liber tempor cum soluta nobis eleifend option congue nihil imperdiet doming id quod mazim placerat facer possim assum. Apple ist wie Sushi – einst exklusiv, heute Arschgeweih. Lorem ipsum dolor sit amet, consectetuer adipiscing elit, sed diam nonummy nibh euismod tincidunt ut laoreet dolore magna aliquam erat volutpat. Ut wisi enim ad minim veniam, quis nostrud exerci tation ullamcorper suscipit lobortis nisl ut aliquip ex ea commodo consequat.

Wie heute die Fans des FC St. Pauli wärmten sich Mac-User am Wir-Gefühl. Duis autem vel eum iriure dolor in hendrerit in vulputate velit esse molestie consequat, vel illum dolore eu feugiat nulla facilisis. At vero eos et accusam et justo duo dolores et ea rebum. Stet clita kasd gubergren, no sea takimata sanctus est Lorem ipsum dolor sit amet. Lorem ipsum dolor sit amet, consetetur.

Stet clita kasd gubergren, no sea takimata sanctus est Lorem ipsum dolor sit amet. Lorem ipsum dolor sit amet, consetetur sadipscing elitr, sed diam nonumy eirmod tempor invidunt ut labore et dolore magna aliquyam erat, sed diam voluptua. Was früher Ron L. Hubbard und Scientology waren, sind heute Apple und seine Kunden. At vero eos et accusam et justo duo dolores et ea rebum. Stet clita kasd gubergren, no sea takimata sanctus est Lorem ipsum dolor sit amet.

Lorem ipsum dolor sit amet, consetetur sadipscing elitr, sed diam nonumy eirmod tempor invidunt ut labore et dolore magna aliquyam erat, sed diam voluptua. At vero eos et accusam et justo duo dolores et ea rebum. Stet clita kasd gubergren, no sea takimata sanctus est. Apple ist eine Droge, und alle sind druff. Lorem ipsum dolor sit amet.“

Die gefetteten Stellen in diesem effektiven Stück Flame-War-Journalismus wirken wie für die Twitter-Nutzung optimiert. Der Aggregator Rivva zählt denn auch mehr als 1000 Tweets, die Hajo Schumachers „Apple, es reicht!“ verlinken.

 

Eine Anmerkung: Der Blindtext ist eine Abwandlung meines Lieblings-Photoshop-Desasters. So etwas passiert, wenn es schnell gehen muss – in allen Branchen Ursache mehr oder weniger unterhaltsamer Katastrophen.

Das Geschlecht von Blog (und die Rache des Internets)

Wenn ich beruflich die Texte anderer verarzte, sorge ich dafür, dass diese in der Internet-Gemeinde nicht zu Verärgerung führen können. Ach ja, „Internet-Gemeinde“ gehört zu den Ausdrücken, die ich den Autoren oder Redakteuren auszureden versuche. Keine Diskussionen gibt es bei dem Genus des Substantivs „Blog“: Das ist ein Neutrum, man sagt oder schreibt „das Blog“, so habe ich es online gelernt – obwohl der Duden bei Blog neben dem dominanten sächlichen Geschlecht auch das männliche erlaubt.

Verstöße gegen die im Netz geltenden Sprachregelungen unterlaufen nicht nur den Print-Medien. Vor einigen Monaten durfte ich einem Online-Projekt zur Seite stehen, in dem ebenfalls auf einmal von „der Blog“ die Rede war. Von Panik erfasst, musste ich meine Mitstreiter über die möglichen Folgen ihrer Ignoranz aufklären: Denial-of-Service-Attacken, anrüchige Bearbeitungen ihrer Porträtfotos in Imageboards wie 4Chan, Shitstorms bis hin zur Verbreitung des Gerüchts, sie hätten Kätzchen grob behandelt (ein Todesurteil in Sachen Netz-Reputation) – die Rache des Internets kann fürchterlich sein, mahnte ich. Vermutlich wachen sie heute noch aus Albträumen auf, in denen ihnen ein Oberlehrer mit Guy-Fawkes-Maske den Hintern mit einem Duden versohlt.

Nun bin ich im Zweifel, ob meine Warnung nicht übertrieben war. Gestern musste ich im Sprachlog von Anatol Stefanowitsch lesen, das männliche Geschlecht von Blog habe sich im Gebrauch durchgesetzt, und das nicht nicht nur gedruckt auf Papier, sondern auch in WordPress-Foren: „Der Blog ist die dominante Form, nur eine Minderheit der deutschen Sprachgemeinschaft bevorzugt das Blog“, schreibt der Sprachwissenschaftler („Das Blog ist tot, es lebe der Blog“). Ist der Fall damit entschieden? Ich denke nicht. Widerstand wird laut, erste Trotzreaktionen auf diesen Artikel stehen schon im Netz. Es mögen nur wenige sein … aber vergessen und vergeben werden sie niemals.

SoundCloud via RSS-Feed abonnieren

RSS-Icon, schwarz-weiß

Um im Netz neue Musik zu entdecken, nutze ich neben dem Aggregator Hype Machine, über den ich eine Reihe von Blogs abonniert habe, auch SoundCloud. Den DJs, Bands und Labels, die mich interessieren, dort zu folgen war bisher ein wenig mühsam. Regelmäßig musste ich ihre Profile aufrufen, um zu sehen, ob es Neues gibt. Einen Account wollte ich nicht anlegen – schließlich produziere ich nichts, was ich auf die Plattform hochladen könnte. Und SoundCloud bietet keine eigenen RSS-Abos für Profile an.

Eine Alternative verspricht Cloud Flipper, ein externes Tool, mit dem man ein beliebiges SoundCloud-Profil oder die Tracks einer Gruppe in einen RSS-XML-Feed konvertieren kann. Die Url, die Cloud Flipper erzeugt, kopiert man einfach in den Reader, und schon lassen sich Feeds direkt dort abonnieren. Ich habe den Dienst in der vergangenen Woche im Google Reader getestet, leider mit nicht immer überzeugendem Ergebnis – die Updates ließen manchmal mehrere Stunden auf sich warten. Bei Tracks mit niedrig angesetztem Download-Limit hat man so einen Nachteil.

Via Kraftfuttermischwerk.

Nachtrag, 22. August: Mittlerweile hat sich die Verzögerung auf durchschnittlich ein bis zwei Stunden eingependelt. Das ist okay. Bis SoundCloud selbst RSS-Feeds einführt, werde ich Cloud Clipper weiterhin nutzen – und empfehlen.

Unbezahlt arbeiten? Harlan Ellison is not amused

Nach diesem lustigen Wutausbruch von Harlan Ellison wird es sich jede weitere Firma überlegen, ob sie den Drehbuchautor und Science-Fiction-Schriftsteller um unbezahlte Arbeit bittet. Sein Rant ist auch kathartisch für alle Freiberufler, die sich regelmäßig anhören müssen, dass ihr Name mit einem Produkt in Verbindung gebracht werde, sei doch klasse PR und viel mehr wert als Geld auf dem Konto.

Gefunden bei The New Inquiry, einem lesenswerten amerikanischen Web-Magazin, das ich als Neuzugang im RSS-Reader begrüße.

Mehr als nur Ruinen: Detroit-Techno in einer Musik-Dokumentation von Resident Advisor

Detroit, seit Jahrzehnten im ökonomischen Niedergang, hat sich zur Resterampe für Freunde von Grusel-Bildern urbanen Verfalls entwickelt. Angesichts der Schwemme sensationalistischer Berichte in den Medien und Klickstrecken im Internet ist in den USA die Rede von „ruin porn“, Ruinenpornografie. Jedes Lebenszeichen aus der Stadt ist daher zu begrüßen. Dazu rechne ich die kurze Techno-Dokumentation „Real Scenes: Detroit“, die Resident Advisor, ein Web-Magazin für elektronische Musik, vor zwei Tagen ins Netz gestellt hat.

Das Video bietet viele Talking Heads, etwa vom Label Underground Resistance, aber kaum Archivaufnahmen von DJ-Legenden und schwitzenden Tänzern in den illegalen Partys der 90er-Jahre. Nachtleben-Nostalgiker wird das enttäuschen. Dafür kann man dabei zusehen, wie Techno-Produzent Mike Huckaby (Interview) in dem Projekt YouthVille Jugendlichen Beat-Making und die dazugehörigen Software-Kenntnisse beibringt. Musik als Kreativwirtschaft: Was anderswo als Schlagwort für Stadt-Marketing dient, kann in einer postindustriellen Brache wie in der ehemaligen „Motor City“ Detroit Hoffnung wecken.

Via Music is my Sanctuary.

Mehr zu Schaulust und Postapokalypse: Für die März-Ausgabe des Kunstmagazins „Monopol“ habe ich den Fotoband „The Ruins of Detroit“ von Yves Marchand und Romain Meffre rezensiert.

„Sharing“: Auf Raubzug durch Fotografen‑ und Künstler-Portfolios

„Sharing“ klingt großzügig, das Wort ist aber meist nur ein Euphemismus, der im Netz wie ein Nebelwerfer funktioniert. Die einen meinen damit den ungefilterten Ausstoß aller möglichen Links, die geeignet scheinen, wiederum Backlinks oder Klicks zu erzeugen. Die berüchtigten 10er-Listen sind ein Beispiel dafür. Andere halten „teilen“ für eine gute Umschreibung der Raubzüge, die sie durch Portfolios von Künstlern, Designern oder Fotografen durchführen. Bilder, die nur irgendwie hübsch anzusehen sind, werden dann ohne Angabe des Urhebers auf Facebook geladen oder auf die Reise durch Myriaden von Tumblr-Seiten geschickt.

Die Fotografin Amy Stein berichtet in dem Blog-Text „How I Learned to Stop Worrying and Love Sharing My Work Online“ über ihre Erfahrungen mit der nicht autorisierten Verbreitung ihrer Arbeit. Die New Yorkerin meint, die Vervielfältigung im Internet habe ihrer Karriere auch genutzt. Ihren Kollegen rät sie zu einem pragmatischen Umgang mit der Recycling-Praxis, aufzuhalten sei der Bilderstrom ohnehin nicht. Bei unerlaubter kommerzieller Verwendung sei aber eine Grenze überschritten:

I have found my images in every nook of the Internet, mostly attributed and not altered in any way, but often unattributed, remixed, appropriated as paintings or drawings and cropped in ways that offend me to no end. Every time I come across my work presented like this, I cringe a little, but most of the efforts are benign and nobody is profiting off my intellectual property. When someone is profiting, I shut that shit down.

Amy Stein schlägt als Gegenmaßnahme eine „attribution Neighborhood Watch“ vor: Wer auf Werke ohne Namensnennung stoße, solle doch den Webmaster oder dem Menschen, der ein Social-Media-Profil bespiele, freundlich darauf hinweisen, das dies nicht in Ordnung sei. Eine nette Idee, die aber, wie ich vermute, kaum Mitwirkende finden wird.

Ein Dandy in der Strafanstalt

Polizeifoto eines Kindes, wegen Diebstahls zu Zwangsarbeit verurteilt

Foto: Tyne & Wear Archives & Museums (gemeinfrei)

Henry Miller, 14 Jahre alt, geboren in Berwick im Norden Englands, wurde in den 1870er-Jahren in Newcastle zu zwei Wochen „schwerer Arbeit“ verurteilt. Das Vergehen des Kindes, das auf dem Polizeifoto wie ein Dandy wirkt: Henry hatte Kleidung gestohlen. Als sein Beruf wird „confectioner“ angegeben, vielleicht hat er als Aushilfe oder Lehrling bei einem Konditor gearbeitet. Mehr Informationen gibt es nicht zu seinem Fall. Die Charles-Dickens-Geschichte zu seinem weiteren Schicksal mag sich der Betrachter selbst ausdenken.

Das Bild stammt aus einem Flickr-Album der Tyne & Wear Archives & Museums in Newcastle, das Fotografien von Insassen der Strafanstalt Gaol versammelt. Unter den Porträtierten aus den Jahren 1871–1873 sieht man eine Hühnerdiebin, Trickbetrüger und noch mehr Kinder, die kleinere Eigentumsdelikte mit Zwangsarbeit büßen mussten.

Gestoßen bin ich auf die Archivbilder über das Blog Prison Photography. Pete Brook, der Autor der Website, listet in dem Artikel „Arresting Portraits of Bygone Criminals (or how we can all gawp guilt-free at ‘the Other’)“ weitere Quellen für „mug shots“ aus dem 19. Jahrhundert auf.

Computerliebe: Über Fremdkörper und die Intimität mit Technik

Ein Neuanfang mit Anpassungsschwierigkeiten: Fingerübungen, Stellungen des Armes, automatische Folgen von Gesten – das Touchpad meines MacBooks ist ein sensibles Instrument, mit dem man präzise und intuitiv arbeiten kann. Doch selbst eine Woche nach dem Kauf fiel mir, dem jahrelangen Nutzer eines PC-Notebooks, die Umstellung immer noch schwer.

Der Browser stürzte nach unten, auf den Footer einer Website, dann vergrößerte sich mit einer unbedachten Bewegung der Bildschirminhalt. Dies kontrolliert nachzuvollziehen gelang mir aber zunächst nicht. Durch die Textverarbeitung stolperte ich auf dem neuen Gerät ebenfalls, als sei ich betrunken. Ich musste vieles loswerden, was über die Jahre in Fleisch und Blut übergegangen war.

Die Entkoppelung automatischer Abläufe ruft ins Gedächtnis, wie körperlich das Arbeiten mit einem solchen Hightech-Spielzeug doch ist. Funktioniert sie ungestört, bleibt die eigene Verschmelzung mit Technik meist unbewusst.

Die Intensität dieser Verschmelzung wird auch durch die Bereitschaft bestimmt, etwas Nichtmenschliches nahe an sich heranzulassen. Unterschiede in den Nähegraden sind mit ein Grund, warum Diskussionen über den Gebrauch von Technik so schnell emotional werden können. „Nerds“, die den Computer in ihr Leben integriert haben und online ihren Alltag mit den verschiedenen Plattformen synchronisieren, die sie nutzen, stoßen dabei auf Späteinsteiger oder Verweigerer, für die das Gerät ein Fremdkörper bleibt (und ihnen im Beruf fast nur als Zumutung begegnet).

Man setzt sich über Organe auseinander: Was für manche wie eine von Nervengewebe umschlossene Prothese ist, bleibt für den anderen eine elektronische Fußfessel. Die Druckstelle lässt den Zwang spüren. Und die einen halten das Notebook stets griffbereit, nehmen es sogar mit ins Bett; andere haben das Zimmer ihres ausgezogenen Kindes in einen Computer-Arbeitsplatz umfunktioniert. Ein Ort, der abwesende Intimität fühlbar macht.