„Alice in Wonderland“ (1903)
Pünktlich zum Start von Tim Burtons „Alice in Wonderland“ in Londoner Kinos hat das British Film Institute die erste Verfilmung von Lewis Carrolls Kinderbuch ins Netz gestellt. Das Werk der Regisseure Cecil Hepworth und Percy Stow war ursprünglich zwölf Minuten lang, von dem stark beschädigten 35-Millimeter-Material konnten nur acht Minuten restauriert werden.
1903, als „Alice in Wonderland“ (YouTube-Direktlink) gezeigt wurde, waren seit der ersten Filmvorführung überhaupt gerade mal acht Jahre vergangen. Wie auf Screenonline zu lesen ist, war „Alice“ damals nicht in voller Länge, sondern nur in Ausschnitten zu sehen, sozusagen als Nummer in einer Revue. Das Publikum bekam eine bunte Mischung verschiedener Themen vorgesetzt. Dass Bilder sich auf der Leinwand bewegten, war faszinierend genug. Außerdem wurden kurze Stummfilm-Sequenzen neben Auftritten von Musikern und Akrobaten ins Varieté-Programm aufgenommen.
Mehr lesen »
Don McCullin: „Shaped by War“
Auf eine Anekdote aus seiner Biografie stößt man in fast jedem Artikel über Don McCullin: 1958 fotografierte der 1935 geborene Brite die Londoner Straßengang The Guv’nors, der einige seiner Schulfreunde angehörten. Nachdem einer der Jungs wegen Mordes an einem Polizisten zum Tode verurteilt und hingerichtet worden war, erkannte McCullin die Gelegenheit und verkaufte das Bild an den „Observer“ – seine erste Veröffentlichung in einer Zeitung. Ein Akt der Gewalt und dessen Vergeltung wurden für ihn zum Sprungbrett in eine Karriere, die ihn zu einigen der brutalsten Konflikte der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts führen sollte.
Mehr lesen »
Erst schießen, dann schießen
Ein Kamera-Tragesystem, das einem Waffen-Holster nachempfunden ist: praktisch, um die Ausrüstung griffbereit zu halten, wenn es hoch hergeht. Beim Posen damit können allerdings schon mal die Assoziationen außer Kontrolle geraten, wie dieser zackige Sportschütze, der auch Mitglied der amerikanischen National Rifle Association (NRA) ist, bei einem Produkttest vorführt. Erst schießen, dann schießen: Hoffentlich verwechselt er, gestresst vom Multitasking, nicht die Reihenfolge.
Aber es gibt tatsächlich Querschläger im Feld der Sprache: Vermutlich leitet sich der Begriff Schnappschuss in der Fotografie vom Schusswaffengebrauch ab. „A snap shot is a shot that is aimed and fired very quickly at a target that appears suddenly and for a very short period of time“, heißt es in der englischen Wikipedia zur ursprünglichen Bedeutung des Ausdrucks.
Via Photography Prison.
Arte-Dokumentation: „Verloren im Nachrichtendschungel“
Wer sich im Internet durch die Netzwerke des Wahns klickt, erkennt, dass dort tatsächlich so etwas wie eine „Verschwörung“ im Gang ist: die der Anhänger, Propagandisten und Profiteure dieses Sondermülls untereinander. Vorgebliche Linke finden nichts dabei, Antisemiten zu verlinken. Und Rechtsextreme vergessen schon mal ihren Rassismus, wenn sie sich bei Islamisten bedienen. Folgt man online der Spur der Fanatiker, landet man immer wieder auf denselben Websites: „Durch fortwährendes gegenseitiges Zitieren erreichen die Seiten der Verschwörungstheoretiker ein besseres Google-Ranking und damit auch eine Aura der Glaubwürdigkeit“, schreibt Elke Wittich in einem lesenswerten Artikel der Jungle World.
Mehr lesen »
Der Missing Link zwischen Mode und Krieg
Modefotografie ist Jazz, Kriegsfotografie Gabber-Techno. Den Break, bevor die Beats per Minute zu rasen beginnen und Gräuelbilder aufblitzen wie die Dämonenfratze in William Friedkins „Exorzist“, markiert eine Scheidung. O-Ton Stanley Greene, Fotograf, dem Ende der 80er-Jahre die Frau weglief: „Instead of becoming an alcoholic, I would go and shoot war.“ So gesehen im Video-Trailer für seine Biografie „Black Passport“. Eine Karriere, heruntergekürzt auf Klischees?
Mehr lesen »
„Foreclosure: Death of the American Dream“
„The landscape of the Inland Empire is a wasteland of empty homes and ghosts of the American Dream“, schreibt Lauren Greenfield im Text zu ihrem Video „Foreclosure: Death of the American Dream“. Die Beschreibung könnte auf den Film von David Lynch zutreffen, aber er hat den Namen seines Psychodramas von 2006 einer Region im Süden Kaliforniens entliehen, die tatsächlich so genannt wird (gedreht hat er nicht dort, sondern hauptsächlich in Polen, das sich zum Niedriglohnland für Kinoproduktionen entwickelt hat).
Im Unterschied zum Werk des Regisseurs, der Krisenstimmungen gern mystifiziert darstellt, zeigt sich im realen Inland Empire der wirtschaftliche Abschwung eher „banal“: Arbeitslosigkeit, Verschuldung, Zwangsvollstreckung.
Wo ist mein Kontext? Ohne Orientierung in Tokio
In Tokio gibt es keine Straßennamen, und Häuser sind in der Reihenfolge nummeriert, in der sie errichtet wurden. Wer in einer europäischen Stadt aufgewachsen ist, verliert in einem solchen, für ihn fremden System die Orientierung. Umgekehrt geht es Japanern im Westen genauso. In diesem kurzen Auszug aus seinem TED-Talk kommt der Unternehmer und Musiker Derek Sivers auf die Unterschiede im Stadtplan zu sprechen, um auf die Schwierigkeit hinzuweisen, Annahmen, die man für selbstverständlich hält, von dem eigenen gesellschaftlichen Kontext in einen anderen zu versetzen.
Mehr lesen »
Achtung, dieses Blog ist …

Texts for Robots ab 18 Jahren? Noch nicht, das ist nur ein Test, wie ein Warnhinweis für dieses Blog im Sinne eines streng ausgelegten Jugendschutzes im Internet aussehen könnte. Wenn schon, denn schon: Sollte nach einer Änderung des Jugendmedienschutz-Staatsvertrages (JMStV) eine Alterskennzeichnung für Web-Inhalte Pflicht werden, möchte ich die nicht so verstohlen anbringen wie manche Gaststätten den Auszug aus dem Jugendschutzgesetz.
Mehr lesen »
„Sky“: Dubai im Zeitraffer
Vor ein paar Wochen hatte ich auf Texts for Robots ein ernstes Wörtchen mit dem schlechten Reise-Journalismus aus der arabischen Welt zu reden. Leider war das begleitende Abu-Dhabi-Video bald schon nicht mehr einzubinden. Dafür gibt’s nun Ersatz: „Sky“ von Philip Bloom, in Dubai im Zeitraffer gedreht. Der Vimeo-Filmer lässt keinen Zweifel daran, dass er ein Fan der Hightech-Metropole in den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) ist. So äußert er sich auch im Making-of-Bericht in seinem Blog.
Aber an meiner Vorstellung, die auf der Ausbeutung von weitgehend rechtlosen Niedriglöhnern errichtete Wolkenkratzer-Stadt könnte als Schauplatz einer neuen Verfilmung von „I Am Legend“ dienen, halte ich weiterhin fest. Und gegen „The dark side of Dubai“ hilft auch kein künstliches Licht.
Via Kraftfuttermischwerk.
Kino-Schrecken: Die Qual der Platzwahl

Foto: Jelle Druyts (cc)
Vorfreude und Befürchtungen hielten sich die Waage, wenn ich in meiner Heimatstadt, 100.000 Einwohner groß mit Eingemeindungen, ins Kino ging. Oft war der Ton zu leise, doch schlimmer noch: Nicht selten saßen Leute mit intensiven Körperausdünstungen um einen herum. Dann fraß sich der Geruch von Ammoniak durch die verbrauchte Luft zu den Nasenschleimhäuten. Ammoniak ist ein Abbauprodukt von Urin.
Ein weiterer Kino-Schrecken war in der bayerischen Provinz kaum anzutreffen: der Hühne, der sich vor einen setzt. Anders in Berlin. Dort rennen genügend lange Kerls herum, die mir mit meinen 1,74 Meter (so steht’s zumindest im Ausweis) die Sicht versperren. Ich bin deshalb gewarnt: Es ist ratsam, einen Platz zu wählen, vor dem schon ein Mensch von durchschnittlicher Körpergröße sitzt – um nicht hinterher, wenn der Film bereits läuft, durch einen riesenhaften Spätankömmling überrascht zu werden.
Mehr lesen »


Neue Kommentare